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30.09.2007 |
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Special: Interview mit dem Vater aller MMOs |
von: Andreas "SanDreas" Lober |
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Dr. Andreas Lober: Sie sagen noch nicht, welche Theorie Sie darüber haben, warum Spieler so kurzsichtig sind. Lassen Sie mich eine Theorie aufstellen. Virtuelle Welten sind in dieser Beziehung sehr real – in der Politik ist es auch so, dass die Wähler selten auf den langfristigen Nutzen schauen, wenn dies bedeutet, dass sie kurzfristig Einbußen haben. Stimmen Sie dem zu? Richard A. Bartle: Ich stimme dem nicht zu. In der Politik kann man sich an die Wähler wenden und sie von Ideen überzeugen, wenn sie sehen, dass diese langfristig Erfolg haben werden. Sie sind davon vielleicht nicht begeistert, werden aber mitgehen. Es gab tatsächlich Fälle, in denen Regierungen auf Basis einer Wahlplattform gewählt wurden, die höhere Steuern zugunsten von langfristig besserer Sozialversorgung enthielt. Bei virtuellen Welten können Sie nicht mit den ganzen Newbies reden. Sie können nicht sagen, „Spielt keine Welten mit eingebautem VoIP, weil ihr so viel von dem verpasst, was an diesen Orten wichtig ist, wenn ihr nicht in eine andere Rolle schlüpfen könnt.“ Newbies werden sich von dem VoIP blenden lassen, das Spiel spielen und sich irgendwann fragen, warum jeder meint, virtuelle Welten seien so toll. Wenn sie dann aufhören, werden sie bei einer anderen virtuellen Welt anfangen, die auch VoIP hat, oder sie werden Teamspeak oder Ventrilo benutzen, falls die virtuelle Welt kein VoIP bietet. Dr. Andreas Lober: Was Sie also sagen, ist, dass VoIP einen Teil der Essenz virtueller Welten tötet? Richard A. Bartle: Das war nur ein Beispiel! Aber ja, so ist es. Sie können nicht jemand anderes sein, wenn Sie sie selbst sein müssen. Stellen Sie sich den Effekt vor, welche Auswirkungen es hätte, wenn Sie einen Charakter spielen würden, der Ihr eigenes Gesicht trägt – würde sich das darauf auswirken, inwieweit Sie sich anders oder vielleicht doch genauso verhalten wie im wirklichen Leben? Einen Charakter zu spielen, der Ihre eigene Stimme hat, ist nicht viel anders. Dr. Andreas Lober: Zurück zum Vergleich mit der Politik. Ist es leichter, Wähler zu überzeugen? Es ist wahrscheinlich möglich, aber sicher nicht leicht, es sei denn, Sie überzeugen die Massenmedien. Ist es also wirklich schwieriger, sich an Newbies zu wenden als an das Wahlvolk? Richard A. Bartle: Natürlich. Die meisten Medien interessieren sich für Politik – aber nicht für Spielefirmen. |
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